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Werkstätten als Wirtschaftsfaktor

In der Bundesrepublik Deutschland gibt es etwa 719 anerkannte Hauptwerkstätten für behinderte Menschen. Die Werkstätten haben über 284.000 Beschäftigte (Jahr 2010, Quelle: BAG:WfbM).

Nach einer Studie der con_sens GmbH Hamburg zur "Bestands- und Bedarfserhebung in Werkstätten für behinderte Menschen" (PDF-Datei), welche 2002/03 im Auftrag des Bundesministeriums für Arbeit und Sozialordung durchgeführt wurde, wurde geschätzt, dass die Zahl der Werkstattbeschäftigten bis zum Ende des Jahres 2010 noch auf über 254.000 ansteigen wird, in den Folgejahren aber wieder leicht sinken wird.
Aber anders als in der Vorhersage dieser Studie haben sich die Werkstattplätze in der Vergangenheit stetig erhöht. Aus diesem Grund hat das BMAS eine weitere Studie unter dem Titel: "Entwicklung der Zugangszahlen in Werkstätten" in Auftrag gegeben. Die Studie wurde von der Gesellschaft für Integration, Sozialforschung und Betriebspädagogik gGmbH (ISB) mit Sitz in Berlin in der Zeit vom 01.01.2007 - 31.07.2008 durchgeführt.

Der Forschungsbericht zur "Entwicklung der Zugangszahlen zu Werkstätten für behinderte Menschen" kann auf der Website des BMAS heruntergeladen werden: http://www.bmas.de/portal/29700/f383__forschungsbericht.html:

"Die Kernaussage der Handlungsempfehlungen lautet: Die betriebliche Integration von auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt besonders benachteiligten Menschen muss bei den Akteuren als Leitbild stärker verankert werden, und zwar sowohl an der Schnittstelle Schule/Beruf als auch an der Schnittstelle Werkstatt/Übergang auf den allgemeinen Arbeitsmarkt."

Angesichts dieser Zahlen ist es nicht verwunderlich, dass die Werkstätten für behinderte Menschen neben dem Eingliederungsauftrag auch einen erheblichen Wirtschaftsfaktor darstellen. Die Erzielung wirtschaftlicher Arbeitsergebnisse ist auch im Hinblick darauf wichtig, dass die Vermarktung der Arbeitsergebnisse sich auf die Entlohnung der Beschäftigten auswirkt. Des weiteren werden die Sozialleistungsträger entlastet, was sich wiederum auf die Ausstattung (Personal- und Sachkosten) der Werkstätten auswirken kann.
Die gesetzliche Vorgabe, dass ein möglichst breites Angebot an Arbeitsbereichen in den Werkstätten vorgehalten werden soll, hat dazu geführt, dass diese heute in nahezu allen Industrie-, Handwerks- und Dienstleistungsbereichen tätig sind.
Einen Überblick über die verschiedenen Angebote von Werkstätten finden Sie auf unserem Marktplatz.

Damit die Werkstätten für behinderte Menschen überhaupt wettbewerbsfähig sind, wurden durch eine Reihe entsprechender Rechtsnormen Anreize für Auftraggeber geschaffen:

Ausgleichsabgabe

Das Sozialgesetzbuch Neuntes Buch (SGB IX) verpflichtet alle privaten und öffentlichen Arbeitgeber, die die vorgeschriebene Zahl schwerbehinderter Menschen nicht beschäftigen, zur Zahlung einer Ausgleichsabgabe für jeden unbesetzten Pflichtarbeitsplatz. Betroffen sind Betriebe mit mindestens 20 regelmäßig Beschäftigten, die mindestens 5% der Arbeitsplätze mit Schwerbehinderten zu besetzen haben.
Für die Höhe der Ausgleichsgabe gibt es eine Staffelung zwischen 115 und 290 Euro pro Monat, die abhängig ist von dem Erfüllungsgrad der Pflichtquote. Ein Betrieb mit 100 Beschäftigten und einer Beschäftigungsquote von unter 2% kommt so im Jahr auf die stolze Summe von 17.400 Euro.
Allein im Jahr 2005 wurden an die Integrationsämter 489,71 Mio. Euro Ausgleichsabgabe (Quelle: Bundesarbeitsgemeinschaft der Integrationsämter und Hauptfürsorgestellen) gezahlt.

"Die Einnahmen aus der Ausgleichsabgabe sind von 2003 bis 2005 um über 14 Prozent zurückgegangen. Ein Grund hierfür ist, dass die Zahl der beschäftigungspflichtigen Arbeitgeber zurückgegangen ist. Ein anderer Grund ist, dass mehr schwerbehinderte Menschen beschäftigt und damit mehr Pflichtarbeitsplätze besetzt sind. Dies hat zur Folge, dass die Beschäftigungsquote steigt und das Aufkommen an Ausgleichsabgabe sinkt."

Quelle: Bericht der Bundesregierung über die Wirkungen der Instrumente zur Sicherung von Beschäftigung und zur betrieblichen Prävention vom 27.06.2007

Unternehmen, die Aufträge an eine anerkannte Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM) vergeben bzw. Lieferungen und Dienstleistungen von diesen erhalten, können nach § 140 SGB IX 50% des auf die Arbeitsleistung der Werkstatt entfallenden Rechnungsbetrages (Gesamtrechnungsbetrag abzüglich Materialkosten) auf die von ihnen abzuführende Ausgleichsabgabe anrechnen. So ist jede Werkstattrechnung mit Ausweis des anzurechnenden Betrages zugleich eine Gutschrift.

Vergabe von Aufträgen durch die öffentliche Hand

Die öffentlichen Einrichtungen sind nach § 141 SGB IX gesetzlich verpflichtet, Aufträge, die von anerkannten Werkstätten für behinderte Menschen ausgeführt werden können, diesen bevorzugt anzubieten. Der Zuschlag ist den Werkstätten immer dann zu erteilen, wenn deren Angebot ebenso wirtschaftlich oder annehmbar ist, wie das eines Bewerbers, der nicht bevorzugt ist. Wirtschaftlich ist ein Angebot von anerkannten Werkstätten für behinderte Menschen immer dann, wenn es den Angebotspreis des wirtschaftlichsten Bieters um nicht mehr als 15 % übersteigt.
Das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie hat am 10. Mai 2001 eine Richtlinie für die Berücksichtigung von Werkstätten bei der Vergabe öffentlicher Aufträge herausgegeben (Gz.: I B 3 -26 23 55/1, Bundesanzeiger Nr. 109 vom 16. Juni 2001, S. 11773).

SGB IX § 141 Vergabe von Aufträgen durch die öffentliche Hand
Aufträge der öffentlichen Hand, die von anerkannten Werkstätten für behinderte Menschen ausgeführt werden können, werden bevorzugt diesen Werkstätten angeboten. Die Bundesregierung erlässt mit Zustimmung des Bundesrates hierzu allgemeine Verwaltungsvorschriften.

Auf dem Marktplatz können Sie sich über das Leistungsspektrum der Werkstätten für behinderte Menschen informieren und gezielt nach einer passenden Werkstatt in Ihrer Nähe suchen.

Steuerrecht

Werkstätten für behinderte Menschen sind nach dem Steuerrecht sogenannte "Zweckbetriebe". Dies hat zur Folge, dass Umsätze lediglich dem ermäßigten Umsatzsteuersatz von 7 % unterliegen. Angebote von Werkstätten für behinderte Menschen können damit oft günstiger sein als die Konkurrenz.

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Aktueller Buchtipp

Buchcover

Ernst Wüllenweber: Einander besser verstehen. Band 1 (Menschen mit Behinderung). Lebenshilfe-Verlag (Marburg) 2014. 432 Seiten. ISBN 978-3-88617-418-8.
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Antje Kronberg: Zwischen Pädagogik und Produktion. Verlag Martin Rossol (Pretzfeld) 2014. 3. Auflage. 124 Seiten. ISBN 978-3-944736-41-9.
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